Paketbegleitbrief von Suhl nach Stralsund mit 45-Sgr.-Buntfrankatur
Dieser Paketbegleitbrief lief von Suhl (Provinz Sachsen, OPD Erfurt, Kreis Schleusingen) nach Stralsund in der Provinz Pommern. Stralsund war Sitz der gleichnamigen OPD.
Der Brief ist mit je einem Einzelstück der 1-Sgr.-Marke (Mi.Nr. 17a) und der 2-Sgr.-Marke (Mi.Nr. 18a) der 4. Ausgabe sowie mit je einem Einzelstück der 10-Sgr.-Marke (Mi.Nr. 20) und der 30-Sgr.-Marke (Mi.Nr. 21) der 5. Ausgabe freigemacht. Neben der 2-Sgr.-Marke befindet sich der Paketzettel mit der Nummer 161. Die Marken wurden mit dem DK-Stempel „SUHL 21 12 67 11–12 V“ als Aufgabestempel entwertet. Die Sendung ist damit genau datierbar.
Das Gewicht des Paketes ist in der oberen linken Ecke mit 29 Pfund 25 Loth angegeben. Daneben findet sich der Hinweis „Anbei ein Rehbock gez. M. L. Z.“. Auf der Rückseite befindet sich der Ausgabestempel „AUSG. 24.12. No 1.“.
Eine derart „bombastische“ Frankatur war in Preußen nur in besonderen Fällen, etwa bei Paketen oder Wertsendungen, möglich. Mit 45 Sgr. liegt hier ein solcher Fall vor. Dass dazu die hohen Werte zu 10 und 30 Sgr. verwendet wurden, ist nachvollziehbar, als Buntfrankatur bis zum 31.12.1867 jedoch äußerst selten anzutreffen.
Zur Erleichterung der innerdienstlichen Verrechnung der bar erhobenen Frankobeträge für Fahrpostsendungen wurden gegen Ende des Jahres 1866 die Freimarken zu 10 und 30 Sgr. ausgegeben und versuchsweise im weihnachtlichen Postverkehr bei den Eisenbahnpostanstalten verwendet (Generalverfügung 123 vom 24. November 1866, Amtsblatt 45 des Königl. Post-Departements). Nach den positiven Erfahrungen wurde das Verfahren zum 1. Juli 1867 auf alle Postanstalten ausgedehnt (Generalverfügung 71 vom 6. Juni 1867, Amtsblatt 27 des Königl. Post-Departements).
Dass die Preußische Post bereits zum 31.12.1867 in den Norddeutschen Postbezirk überging, erklärt die Seltenheit solcher Belege während der Preußenzeit.
Empfängerin des Paketes war Fräulein Marie Luise Ziemssen in Stralsund, Marienkirche. Sie war die Tochter von Christoph Ziemssen und wurde am 14.7.1837 geboren; sie starb am 11.12.1917. Christoph Ziemssen war ein deutscher evangelischer Theologe, wurde 1818 Pastor an St. Marien in Stralsund und 1842 Stadtsuperintendent. Im Jahr 1867 hatte Suhl ca. 8.800, Stralsund ca. 25.000 Einwohner.
Zur Portoberechnung
Ab dem 1.7.1852 betrug die innerpreußische Taxe für Pakete 1,5 Spf. je Pfund und je fünf Meilen. Dabei war auf volle Pfund und volle 5 Meilen aufzurunden. Die direkte Entfernung zwischen Suhl und Stralsund betrug ca. 442 km, also knapp 59 Meilen.
Somit errechnete sich die Gebühr wie folgt: 30 (Pfund) × 1,5 Spf. × 12 (Progressionsstufe) = 540 Spf. = 45 Sgr. Dies entspricht auch der in roter Farbe notierten Vortaxe. Somit ist der Brief beziehungsweise das Paket korrekt freigemacht. Ein wahrhaft teures Weihnachtsgeschenk!