Ein Streifband mit Fragen – von Essen nach Eisenberg
Das Streifband wurde am 5. April in Essen zur Post gegeben, wobei das genaue Verwendungsjahr nicht eindeutig bestimmbar ist. Gerichtet ist es an „Seiner Wohlgeboren Herrn Rektor Ludewig“ in Eisenberg. Schon bei der Bestimmung des Empfängerortes beginnen die ersten Probleme, diesen Beleg korrekt einzuordnen.
Den Namen Eisenberg tragen laut Ritter’s geographischem Lexikon, Ausgabe 1874, insgesamt 17 Ortsgemeinschaften. Das Streifband weist lediglich den Namen Eisenberg und keine weitere Zusatzbestimmung auf. Rückschlüsse auf den Bestimmungsort lassen jedoch einige andere auf dem Streifband angebrachte Stempel beziehungsweise handschriftliche Vermerke zu.
Rückseitig befinden sich die Streckenstempel DEUTZ–MINDEN und MAGDEBURG–LEIPZIG. Dies lässt den Rückschluss zu, dass das gesuchte Eisenberg mit großer Wahrscheinlichkeit in Sachsen liegt. Der vorderseitig angebrachte handschriftliche Vermerk des Empfängers „3 Pfg. Porto“ unterstützt diese These. Der Vermerk bezieht sich wohl darauf, dass der Empfänger 3 Pfg. Bestellgeld bezahlt hat. Die Zustellung innerhalb des Gebietes der preußischen Postverwaltung hätte hingegen eine Gebühr von 6 Pfg. erfordert.
Gemäß dem Deutsch-Österreichischen Postvertrag vom 6. April 1850, in Kraft gesetzt am 1. Juli 1850, betrug die Beförderungsgebühr für ein Streifband innerhalb dieses Postvereins 4 Pfg. beziehungsweise 1 Kreuzer pro Loth, wenn lediglich Adresse, Datum und Unterschrift von Hand geschrieben waren und das Porto im Voraus bei Aufgabe der Sendung entrichtet wurde.
Hier ergibt sich nun ein weiteres Problem: Die preußische Postverwaltung brachte eine 4-Pfg.-Freimarke erst im Juni 1856 an die Schalter. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten solche Streifbänder in das Postvereinsgebiet entweder zwangsläufig überfrankiert oder am Schalter aufgegeben und dort die Beförderungsgebühr in Bargeld beglichen werden.
Das vorliegende Streifband ist mit einer ½-Groschen-Freimarke, Michel-Nr. 1, freigemacht worden. Die Freimarke wurde ordnungsgemäß mit dem „Vernichtungsstempel“ Nr. 396 entwertet. Danebengesetzt wurde der Ortsaufgabestempel von Essen, das zu diesem Zeitpunkt als Postamt II. Klasse fungierte.
Eine konkrete Zuordnung zu einem bestimmten Verwendungsjahr ist nicht möglich, eine Einschränkung auf einen bestimmten Zeitraum jedoch nachvollziehbar. Die ½-Sgr.-Freimarke kam im November 1850 an die Schalter, ab Juni 1856 war die 4-Pfg.-Freimarke in Gebrauch. Irgendwann zwischen diesen beiden Zeitpunkten wird das Streifband verwendet worden sein.
Eine weitere Einschränkung der möglichen Verwendungszeit ist bedingt möglich. Das Streifband weist keine rote Austaxierung auf; auf eine solche wurde in der Regel ab Herbst 1851 verzichtet. Außerdem befinden sich rückseitig zwei Streckenstempel auf dem Streifband; auch auf diese wurde ab Ende 1853 in der Regel verzichtet.
Dementsprechend kann die Verwendungszeit dieses Streifbandes mit einiger Gewissheit auf den Zeitraum von 1852 bis 1853 eingegrenzt werden.