Zehn Monate nach den Freimarken bringt Preußen am 15.9.1851 seine ersten Ganzsachen an die Postschalter. Es ist eine Serie von drei Umschlägen (U1, U2, U3), jeweils in großem und kleinem Format, deren Nähe zu den zu dieser Zeit kursierenden englischen Vorbildern unübersehbar ist: Sicherheitspapier mit Seidenfäden, ovaler Wertstempel, Kontrollzahl „1“, „2“ oder „3“ am Halsansatz des Königskopfes und farblos geprägter Klappenstempel an der Spitze der rückseitigen Oberklappe.
Dieselben Merkmale zeigt auch die zweite Ausgabe vom 20.11.1852, die als „Oktogone“ (U4, U5, U6, U7) die Spitzenstücke der preußischen Ganzsachen darstellen.
Ab der dritten Ausgabe (U 8, U9, U 10) vom November 1853 wird in der Preußischen Staatsdruckerei das teure, störanfällige Seidenfadenpapier aufgegeben und durch Papier mit Überdruckzeilen über dem Wertstempel ersetzt. Dies gilt bis zur letzten Ausgabe mit Königskopf (U17, U18, U19).
Nach dem Tod von Friedrich Wilhelm IV am 2.1.1861 ändert sich das Bild der Ganzsachen: Statt des Königskopfs zeigen die Wertstempel den preußischen Wappenadler, nun in der rechten Umschlagecke. Dabei verlaufen die Überdruckzeilen zunächst über dem Wertstempel (U20, U21, U22), später durch den Wertstempel (U23 bis U28).
Infolge des Deutschen Kriegs 1866 übernimmt die preußische Post durch Abtretungsvertrag vom 28.1.1867 alle Postrechte und Einrichtungen von Thurn & Taxis. Die Ganzsachen für die neu hinzugewonnen Gebiete werden, wie die Freimarken, jedoch nicht in Berlin, sondern vertragsgemäß in Frankfurt bei Naumann und Dondorf gedruckt (U29 bis U38).
Etwas aus dem Blickfeld geraten durch die neue Michel-Katalogisierung ist schließlich noch die einzige preußische Privatganzsache (PU1), die 1867 für die Berliner Victoria-National-Invaliden-Stiftung in einer einzigen Auflage von vermutlich nur 2.500 Stück aufgelegt wurde.
Aber damit hört der Spaß nicht auf! Abstempelungen, Druckfarben, Fehldrucke, Neudrucke, Proben, Ganzsachenausschnitte auf Brief und (heute erkennbare) Fälschungen von Fouré bieten dem an Forschung und Postgeschichte interessierten Sammler schließlich nahezu grenzenloses Sammlervergnügen.