Die Freimarken des Sammelgebietes Preußen

Das Sammelgebiet Preußen zählt zu den klassischen und zugleich besonders reizvollen Gebieten der Altdeutschland-Philatelie. Auf den ersten Blick erscheint es mit seinen 26 Hauptnummern im Michel-Katalog recht überschaubar. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch ein ausgesprochen vielseitiges Gebiet, das durch unterschiedliche Ausgaben, Druckverfahren, Währungen, Verwendungsformen und postalgeschichtliche Zusammenhänge geprägt ist.

Die preußischen Freimarken erschienen in der Zeit von 1850 bis 1867. Sie dokumentieren damit eine bedeutende Phase der deutschen Postgeschichte: von der Einführung eigener Landespostwertzeichen über die Zeit des Deutsch-Österreichischen Postvereins bis hin zum Übergang in den Norddeutschen Postbezirk.

Gerade diese klare zeitliche Begrenzung macht Preußen für Sammler besonders interessant. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich ein eigenständiges und markenkundlich anspruchsvolles Sammelgebiet, das sowohl Einsteigern als auch spezialisierten Sammlern zahlreiche Möglichkeiten bietet.

Die Kopfausgaben MiNr. 1–13

Den Anfang der preußischen Freimarken bilden die sogenannten Kopfausgaben. Sie zeigen das Bildnis von König Friedrich Wilhelm IV. und umfassen die Michel-Nummern 1 bis 13. Innerhalb dieser Gruppe unterscheidet man drei Ausgaben.

Die erste Ausgabe MiNr. 1–5 erschien ab 1850. Sie zeigt das Kopfbild des Königs und steht am Beginn der preußischen Freimarkenzeit. Diese frühen Marken gehören zu den klassischen Ausgaben Altdeutschlands und sind für Sammler besonders reizvoll, da sie zahlreiche Unterschiede in Farbe, Papier, Druck und Entwertung aufweisen können.

Die zweite Ausgabe MiNr. 6–8 führt das Kopfbild Friedrich Wilhelms IV. fort, unterscheidet sich jedoch in der Ausführung von der ersten Ausgabe. Auch hier bieten sich vielfältige Möglichkeiten zur Spezialisierung, etwa bei Druckmerkmalen, Farbnuancen, Erhaltung und postalischer Verwendung.

Die dritte Ausgabe MiNr. 9–13 schließt die Gruppe der Kopfausgaben ab. Zusammen bilden die MiNr. 1–13 einen der wichtigsten und bekanntesten Bereiche der Preußen-Philatelie. Neben der reinen Katalognummernsammlung sind besonders gestempelte Stücke, Briefstücke, Briefe, Einheiten und unterschiedliche Entwertungen von großem Interesse.

Gerade bei den Kopfausgaben zeigt sich, dass das Sammelgebiet Preußen deutlich mehr bietet als nur eine überschaubare Anzahl von Hauptnummern. Farben, Stempel, Plattenmerkmale, Verwendungszeiten und Frankaturen machen diesen Bereich ausgesprochen abwechslungsreich.

Die Wappenausgaben MiNr. 14–19

Mit den Wappenausgaben MiNr. 14–19 trat an die Stelle des Herrscherbildnisses das staatliche Symbol: der preußische Adler. Diese Ausgaben markieren eine neue gestalterische Phase innerhalb der preußischen Freimarken.

Die Wappenmarken wurden in Silbergroschen-Währung ausgegeben und waren für den allgemeinen Postverkehr innerhalb des preußischen Postgebietes bestimmt. Sie begegnen dem Sammler lose, auf Briefstücken und natürlich auf vollständigen Belegen.

Besonders interessant sind diese Marken im Zusammenhang mit den damaligen Posttarifen und Verwendungsformen. Briefe, Drucksachen, Einschreiben, Auslandsbriefe oder besondere Frankaturkombinationen eröffnen zahlreiche Möglichkeiten zur postgeschichtlichen Betrachtung.

Die Wappenausgaben MiNr. 14–19 verbinden klassische Markenkunde mit praktischer Postgeschichte. Neben Farben, Druck und Erhaltung spielen hier vor allem Stempel, Aufgabeorte, Laufwege und tarifgerechte Frankaturen eine wichtige Rolle.

Die Innendienstmarken MiNr. 20–21

Eine besondere Stellung innerhalb der 26 preußischen Hauptnummern nehmen die Innendienstmarken MiNr. 20–21 ein. Sie waren nicht für den gewöhnlichen Verkauf an das Publikum bestimmt, sondern dienten dem internen Gebrauch der Postverwaltung.

Gerade dadurch unterscheiden sie sich deutlich von den regulären Freimarken für den allgemeinen Postverkehr. Dennoch gehören sie katalogmäßig zu den preußischen Hauptnummern und bilden innerhalb des Gebietes ein kleines, aber sehr interessantes Spezialgebiet.

Die Innendienstmarken zeigen, dass das Sammelgebiet Preußen nicht nur aus den bekannten Kopf- und Wappenausgaben besteht, sondern auch Ausgaben umfasst, die eng mit der inneren Organisation des damaligen Postwesens verbunden sind.

Für Sammler sind hier insbesondere Echtheit, Erhaltung und sachgerechte Prüfung von Bedeutung. Durch ihre besondere Zweckbestimmung nehmen die MiNr. 20–21 eine Sonderrolle ein, bleiben aber ein fester Bestandteil der klassischen Freimarken-Ausgaben Preußens.

Die Kreuzer-Wappenausgabe MiNr. 22–26

Ein besonders interessanter Abschnitt der preußischen Freimarken sind die Wappenmarken MiNr. 22–26. Diese Ausgabe unterscheidet sich deutlich von den vorherigen Wappenausgaben, denn sie wurde nicht in Silbergroschen-, sondern in Kreuzerwährung ausgegeben.

Der Hintergrund dieser Ausgabe liegt in der Übernahme der bisher von Thurn und Taxis betreuten Postgebiete durch Preußen. In diesen Gebieten wurde postalisch weiterhin in Kreuzerwährung gerechnet. Für den dortigen Postverkehr benötigte die preußische Post daher eigene Markenwerte in Kreuzern.

Die MiNr. 22–26 sind somit nicht einfach nur eine weitere Wappenausgabe, sondern ein wichtiges Zeugnis des postalischen Übergangs von Thurn und Taxis zu Preußen. Besonders reizvoll sind Verwendungen aus den ehemals taxisschen Postgebieten, Belege aus der kurzen Übergangszeit sowie Stücke mit weiterverwendeten Orts- und Aufgabestempeln.

Gerade diese Ausgabe zeigt sehr schön, wie eng die preußischen Freimarken mit den politischen und postalischen Veränderungen der Jahre 1866 und 1867 verbunden sind. Für Sammler bietet die Kreuzer-Wappenausgabe daher nicht nur markenkundliche, sondern auch postgeschichtliche Tiefe.

Ein überschaubares Gebiet mit großer Tiefe

Die preußischen Freimarken zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig ein scheinbar kleines Sammelgebiet sein kann. Die 26 Hauptnummern führen vom königlichen Kopfbild Friedrich Wilhelms IV. über die Wappenausgaben mit dem preußischen Adler bis hin zu den Innendienstmarken und den Kreuzerwerten für die ehemals von Thurn und Taxis betreuten Postgebiete.

Wer sich intensiver mit Preußen beschäftigt, entdeckt schnell, dass dieses Gebiet weit mehr bietet als eine reine Nummernsammlung. Farben, Druckverfahren, Papiere, Entwertungen, Aufgabeorte, Frankaturen, Verwendungszeiten und postalgeschichtliche Zusammenhänge eröffnen zahlreiche Möglichkeiten zur Spezialisierung.

Gerade die Verbindung von klassischer Markenkunde und Postgeschichte macht die Freimarken Preußens zu einem der spannendsten Bereiche der Altdeutschland-Philatelie. Sie sind überschaubar genug, um einen guten Einstieg zu ermöglichen, und zugleich tief genug, um auch fortgeschrittene Sammler dauerhaft zu beschäftigen.

Bereich

Michel-Nummern

Beschreibung

Kopfausgaben

MiNr. 1–5

Erste Ausgabe mit Kopfbild Friedrich Wilhelm IV.

Kopfausgaben

MiNr. 6–8

Zweite Ausgabe der Kopfausgaben

Kopfausgaben

MiNr. 9–13

Dritte Ausgabe der Kopfausgaben

Wappenausgaben

MiNr. 14–19

Preußischer Adler in Silbergroschen-Währung

Innendienstmarken

MiNr. 20–21

Marken für den internen Dienstgebrauch der Postverwaltung

Kreuzer-Wappenausgabe

MiNr. 22–26

Wappenmarken in Kreuzerwährung für die ehemals von Thurn und Taxis betreuten Postgebiete