Die Kopfausgaben Preußens – MiNr. 1–13

Die Kopfausgaben bilden den Beginn der preußischen Freimarkenzeit und gehören zu den klassischen Ausgaben der Altdeutschland-Philatelie. Sie zeigen das Bildnis von König Friedrich Wilhelm IV. und umfassen im Michel-Katalog die Nummern 1 bis 13. Innerhalb dieser Gruppe unterscheidet man drei Ausgaben: die erste Ausgabe MiNr. 1–5, die zweite Ausgabe MiNr. 6–8 und die dritte Ausgabe MiNr. 9–13.  

Gerade diese ersten Freimarken Preußens machen deutlich, wie vielseitig ein scheinbar kleines Sammelgebiet sein kann. Neben den Hauptnummern spielen Farben, Papierarten, Druckverfahren, Unterdrucke, Wasserzeichen, Stempel, Schnitt, Erhaltung, Einheiten, Briefstücke und vollständige Belege eine wichtige Rolle. Für viele Sammler sind die Kopfausgaben daher nicht nur der Einstieg in Preußen, sondern zugleich ein besonders reizvolles Spezialgebiet.

Marken der 1., 2. und 3. Ausgabe 

Preußen führte seine ersten Freimarken am 15. November 1850 ein. Damit begann auch im Königreich Preußen die Zeit der frankierten Briefpost mit aufgeklebten Postwertzeichen. Das Markenbild zeigt Friedrich Wilhelm IV. im Profil nach rechts. Das Porträt knüpft an zeitgenössische Darstellungen des Königs an; laut Philapress war ein Porträt auf Münzprägungen ein Vorbild für die ersten preußischen Postwertzeichen.  

Die Kopfausgaben erschienen in einer Zeit, in der sich das Postwesen stark wandelte. Durch die Einführung von Freimarken wurde die Vorausbezahlung des Portos sichtbarer und einfacher handhabbar. Gleichzeitig entstanden neue Möglichkeiten der Kontrolle, Entwertung und Abrechnung. Für die heutige Philatelie sind diese Ausgaben deshalb nicht nur als Marken interessant, sondern auch als Zeugnisse der postalischen Praxis des 19. Jahrhunderts.

Die erste Ausgabe MiNr. 1–5

Die erste preußische Freimarkenausgabe erschien am 15. November 1850. Sie zeigt Friedrich Wilhelm IV. vor gegittertem Hintergrund und wurde im Stichtiefdruck hergestellt. Als Gestalter wird Professor Eichens genannt. Gedruckt wurde zunächst in der Deckerschen Hofbuchdruckerei, später in der Königlich Preußischen Staatsdruckerei. Die Bogen bestanden aus 10 × 15 Marken, also 150 Einzelmarken. Verwendet wurde handgeschöpftes, teils raues und unterschiedlich starkes Papier mit dem Wasserzeichen Lorbeerkranz.  

Zu dieser Ausgabe gehören die Michel-Nummern 1 bis 5. Die Wertstufen umfassen ½ Silbergroschen beziehungsweise 6 Pfennig, 1 Silbergroschen, 2 Silbergroschen, 3 Silbergroschen sowie die später erschienene 4-Pfennig-Marke. Die 4-Pfennig-Marke MiNr. 5 wurde 1856 als neue Wertstufe für Drucksachen eingeführt.  

Für Sammler ist diese erste Ausgabe besonders spannend, weil sie viele klassische Merkmale vereint: farbiges Papier, Wasserzeichen, Stichtiefdruck, breite Farbstreuung, unterschiedliche Erhaltung und eine große Vielfalt an Entwertungen. Gerade die frühen Nummernstempel auf den Kopfmarken sind ein eigenes und sehr umfangreiches Sammelgebiet.

Michel-Nr. 1-5 mit Nummernstempelentwertung

Die zweite Ausgabe MiNr. 6–8

Im April 1857 erschien die zweite Kopfausgabe. Sie umfasst die Michel-Nummern 6 bis 8 mit den Wertstufen 1, 2 und 3 Silbergroschen. Im Gegensatz zur ersten Ausgabe wurde diese Ausgabe im Buchdruck hergestellt. Das Papier ist dünner, glatt und weiß; ein Wasserzeichen wurde nicht verwendet. Zum Schutz gegen Fälschungen erhielten die Marken einen weißen, netzartigen Unterdruck.  

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist der glatte Hintergrund hinter dem Kopfbild. Dadurch unterscheidet sich die zweite Ausgabe bereits auf den ersten Blick von der ersten und dritten Ausgabe. Philapress beschreibt zudem die technischen Unterschiede zwischen Stichtiefdruck und Buchdruck: Die zweite Ausgabe erforderte neue Klischees und Druckplatten; der Farbauftrag wirkt flacher, und bei genauer Betrachtung zeigen sich zahlreiche Unterschiede in Kopfzeichnung, Ornamenten und Rahmen.  

Die MiNr. 6–8 bieten viele Möglichkeiten zur Spezialisierung. Neben den Farben sind vor allem Druckzufälligkeiten, Plattenmerkmale, klare Nummernstempel, Briefstücke und Belege interessant. Besonders die MiNr. 7 ist ein beliebtes Spezialgebiet, da hier neben Farbvarianten auch Plattenfehler und Feldmerkmale intensiv erforscht wurden. Das Inhaltsverzeichnis der „Preußen-Studien“ nennt mehrfach Beiträge zu Plattenfehlern und Feldmerkmalen der Michel-Nummer 7.  

Michel-Nr. 6-8 in gestempelter Erhaltung

Die dritte Ausgabe MiNr. 9–13
Die dritte Kopfausgabe erschien ab Juli 1858. Sie kehrte gestalterisch wieder zum gegitterten Hintergrund zurück und wurde erneut im Stichtiefdruck hergestellt. Gedruckt wurde auf dünnerem, glattem, weißem Papier ohne Wasserzeichen. Auch diese Ausgabe erhielt einen weißen, netzartigen Unterdruck. Zu ihr gehören die Michel-Nummern 9 bis 13 mit den Wertstufen 4 Pfennig, 1 Silbergroschen, 2 Silbergroschen, 3 Silbergroschen und ½ Silbergroschen beziehungsweise 6 Pfennig. Die ½-Silbergroschen-Marke MiNr. 13 erschien am 17. November 1859.  

Die dritte Ausgabe verbindet damit Merkmale der ersten und zweiten Ausgabe: Sie zeigt wieder den gegitterten Hintergrund, steht aber papier- und unterdrucktechnisch näher bei der zweiten Ausgabe. Für Sammler ist sie besonders reizvoll, weil hier neben den Wertstufen und Farben auch Stempel, Plattenmerkmale, Reihenzähler, Einheiten und Belege eine wichtige Rolle spielen.

Auch bei dieser Ausgabe gibt es gesuchte Farbvarianten. Besonders die MiNr. 11c gehört zu den beachteten Farben der Kopfausgaben. Auktionsbeschreibungen nennen sie regelmäßig zusammen mit Befunden oder Kurzbefunden, was zeigt, dass bei solchen Farben eine sachgerechte Prüfung von großer Bedeutung ist.  

Michel-Nr. 9-13 in gestempelter Erhaltung

Farben und Varianten

Die Farben der preußischen Kopfausgaben sind ein besonders anspruchsvolles Thema. Viele Werte kommen in unterschiedlichen Farbnuancen vor. Teilweise handelt es sich um katalogisierte Farbvarianten, teilweise um natürliche Schwankungen des Drucks, des Papiers oder um Veränderungen durch Lagerung, Licht, Feuchtigkeit oder chemische Einflüsse.

Gerade bei klassischen Marken ist Vorsicht geboten: Nicht jede auffällige Farbe ist automatisch eine seltene Katalogfarbe. Die „Preußen-Studien“ zeigen, wie intensiv dieses Thema behandelt wurde. Dort finden sich unter anderem Beiträge zur feuerroten MiNr. 2c, zu Verfärbungen, Bleisulfidschäden, Farben und Pigmenten sowie zur Haftungsproblematik bei Farbbestimmungen.  

Zu den besonders gesuchten Farbvarianten der Kopfausgaben zählen unter anderem die von dir genannten MiNr. 2c, MiNr. 7c und MiNr. 11c. Die MiNr. 2c wird in den „Preußen-Studien“ ausdrücklich als „feuerrote 1 Sgr.“ behandelt.   Die MiNr. 7c erscheint in spezialisierten Sammlungen und Angeboten als hervorgehobene bessere Farbe; ein Felzmann-Los nennt beispielsweise eine nach Farben differenzierte Preußen-Sammlung mit MiNr. 7c.   Auch die MiNr. 11c wird in Auktionsbeschreibungen als bessere Farbe mit BPP-Kurzbefund genannt.  

Für Sammler bedeutet das: Farben sollten bei den Kopfausgaben nie nur nach einem Scan oder Foto beurteilt werden. Gerade bei besseren Farben ist ein aktueller Befund oder ein Attest eines anerkannten Prüfers empfehlenswert. Das gilt besonders dann, wenn eine Marke als seltene Farbvariante angeboten oder in eine höherwertige Sammlung eingeordnet werden soll.

Entwertungen und Belege

Die preußischen Kopfausgaben wurden in der Regel mit Nummernstempeln, Ortsstempeln oder anderen postalischen Entwertungen versehen. Besonders die Nummernstempel sind ein eigenes großes Sammelgebiet. Sie lassen Rückschlüsse auf Aufgabeorte und Verwendungszusammenhänge zu und können den Wert und die Attraktivität einer Marke erheblich beeinflussen.

Spezialisierte Sammlungen beschäftigen sich nicht nur mit den Marken selbst, sondern auch mit der Qualität der Abschläge. Klare, zentrische und vollständig lesbare Stempel sind besonders beliebt. Auktionsbeschreibungen zeigen, dass Nummernstempel auf Kopfausgaben häufig nach Orten, Bezirken oder Stempeltypen gesammelt werden.  

Noch aussagekräftiger als lose Marken sind vollständige Belege. Sie zeigen, wie die Marken tatsächlich verwendet wurden: als Einzelfrankatur, Mehrfachfrankatur oder Mischfrankatur, auf Ortsbriefen, Fernbriefen, Drucksachen oder besonderen postalischen Sendungsformen. Gerade hier verbindet sich die Markenkunde mit der Postgeschichte.

Warum die Kopfausgaben so reizvoll sind

Die Kopfausgaben MiNr. 1–13 sind weit mehr als nur die ersten Briefmarken Preußens. Sie zeigen die Entwicklung vom Stichtiefdruck zum Buchdruck und wieder zurück zum Stichtiefdruck, den Wechsel von farbigem zu weißem Papier, die Verwendung von Wasserzeichen und Unterdruck sowie die Entstehung zahlreicher Farb- und Druckvarianten.

Für Einsteiger bieten die 13 Hauptnummern eine klare und überschaubare Struktur. Für fortgeschrittene Sammler eröffnen sich zahlreiche Spezialisierungsmöglichkeiten: Farben, Stempel, Plattenmerkmale, Druckzufälligkeiten, Reihenzähler, Einheiten, Briefstücke und vollständige Belege. Genau diese Mischung aus Übersichtlichkeit und Tiefe macht die preußischen Kopfausgaben zu einem der schönsten Bereiche der Altdeutschland-Philatelie.

Abbildung

Michel-Nr.

Ausgabe

Jahr

Wertstufe

Farbe / Grundfarbe

1

1. Ausgabe

1850

½ Silbergroschen / 6 Pfennig

orange

2

1. Ausgabe

1850

1 Silbergroschen

schwarz auf rosa

3

1. Ausgabe

1850

2 Silbergroschen

schwarz auf blau

4

1. Ausgabe

1850

3 Silbergroschen

schwarz auf gelb

5

1. Ausgabe

1856

4 Pfennig

grün

6

2. Ausgabe

1857

1 Silbergroschen

rosa

7

2. Ausgabe

1857

2 Silbergroschen

blau

8

2. Ausgabe

1857

3 Silbergroschen

orange

9

3. Ausgabe

1858

4 Pfennig

grün

10

3. Ausgabe

1858

1 Silbergroschen

rosa

11

3. Ausgabe

1858

2 Silbergroschen

blau

12

3. Ausgabe

1858

3 Silbergroschen

orange / gelblich

13

3. Ausgabe

1859

½ Silbergroschen / 6 Pfennig

orange