Sammelgebiet

Die Freimarken des Sammelgebietes Preußen

Das Sammelgebiet Preußen zählt zu den klassischen und zugleich besonders reizvollen Gebieten der Altdeutschland Philatelie. Auf den ersten Blick erscheint es mit seinen 26 Hauptnummern im Michel Katalog recht überschaubar. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch ein ausgesprochen vielseitiges Gebiet, das durch unterschiedliche Ausgaben, Druckverfahren, Währungen, Verwendungsformen und postgeschichtlicher Zusammenhänge geprägt ist. 

Die preußischen Freimarken erschienen in der Zeit von 1850 bis 1867. Sie dokumentieren damit eine bedeutende Phase der deutschen Postgeschichte: von der Einführung eigener Postwertzeichen über die Zeit des Deutsch Österreichischen Postvereins bis hin zum Übergang in den Norddeutschen Postbezirk. Gerade diese klare zeitliche Begrenzung macht Preußen für Sammler besonders interessant.

Den Anfang der preußischen Freimarken bilden die sogenannten Kopfausgaben. Sie zeigen das Bildnis von König Friedrich Wilhelm IV. und umfassen die Michel Nummern 1 bis 13. Innerhalb dieser Gruppe unterscheidet man drei Ausgaben.

Die erste Ausgabe Mi.-Nr. 1–5 erschien am 15.11.1850 mit Ausnahme der Mi.-Nr. 5 Ergänzungswert, diese ab Juni 1856. Sie zeigt das Kopfbild des Königs und steht am Beginn der preußischen Freimarkenzeit. 

1. Ausgabe alle 5 Wertstufen in ungebrauchter Erhaltung

Die zweite Ausgabe Mi.-Nr. 6–8 ab April 1856 führt das Kopfbild Friedrich Wilhelms IV. fort, unterscheidet sich jedoch in der Ausführung von der ersten Ausgabe.  

2. Ausgabe alle 3 Wertstufen in ungebrauchter Erhaltung (digital verbessert zur Darstellung, nicht zum direkten Vergleich geeignet.)

Die dritte Ausgabe Mi.-Nr. 9–13 ab Juli 1858 bzw. die Mi.-Nr. 13 ab November 1859 schließt die Gruppe der Kopfausgaben ab.  

3. Ausgabe alle 5 Wertstufen in ungebrauchter Erhaltung

Neben der reinen Katalognummernsammlung sind besonders ungebrauchte und gestempelte Stücke, Briefstücke sowie Briefe, Einheiten und verschiedene Entwertungsformen von Interesse. Gerade bei den Kopfausgaben zeigt sich, dass das Sammelgebiet Preußen deutlich mehr bietet als nur eine überschaubare Anzahl von Hauptnummern. Farben, Stempel, Plattenmerkmale, Verwendungszeiten und Frankaturen machen diesen Bereich ausgesprochen abwechslungsreich. 

Die vierte Ausgabe mit der neu gestalteten Wappenausgaben Mi.-Nr. 14–19 ab Oktober 1861 bzw. Mi.-Nr. 19 ab 01. April 1865 trat an die Stelle des Herrscherbildnisses das Wappen: der preußische Adler im Oval. Diese Ausgaben markieren eine neue gestalterische Phase innerhalb der preußischen Freimarken. Die Wappenmarken wurden in Pfennige und Silbergroschen Währung ausgegeben und waren für den allgemeinen Postverkehr Preußens bestimmt. 

1. Wappenausgabe die 6 Wertstufen in ungebrauchter Erhaltung (digital verbessert zur Darstellung, nicht zum direkten Vergleich geeignet.)

Die fünfte Freimarken Ausgabe ab 16. Dezember 1866, nimmt eine besondere Stellung innerhalb der 26 preußischen Hauptnummern ein, die Innendienstmarken Mi.-Nr. 20–21. Sie waren nicht für den gewöhnlichen Verkauf an das Publikum bestimmt, sondern dienten dem internen Gebrauch der Postverwaltung. Gerade dadurch unterscheiden sie sich deutlich von den regulären Freimarken für den allgemeinen Postverkehr. Dennoch gehören sie katalogmäßig zu den preußischen Hauptnummern und bilden innerhalb des Gebietes ein kleines interessantes Spezialgebiet. 

10 Silbergroschen rot und 30 Silbergroschen blau in ungebrauchter Erhaltung

Die Innendienstmarken zeigen, dass das Sammelgebiet Preußen nicht nur aus den bekannten Kopf- und Wappenausgaben besteht, sondern auch Ausgaben umfasst, die eng mit der inneren Organisation des damaligen Postwesens verbunden sind. Durch ihre besondere Zweckbestimmung nehmen die Mi.-Nr. 20–21 eine Sonderrolle ein, bleiben aber ein fester Bestandteil der klassischen Freimarken Ausgaben Preußens. 


Ein weiterer Abschnitt der preußischen Freimarken sind die Wappenmarken der sechsten Freimarken Ausgabe ab 1. Juli 1867 Mi.-Nr. 22–26. Diese Ausgabe unterscheidet sich deutlich von den vorherigen Wappenausgaben. Der Hintergrund der neuen Kreuzer Werte liegt in der Übernahme der Thurn & Taxischen Postgebiete durch Preußen zum 01.07.1867. Für den Postverkehr in den südlich gelegenen Bezirken benötigte die preußische Post neue, eigene Markenwerte in Kreuzern wohingegen die nördlichen Bezirke die in Preußen gebräuchlichen Pfennige und Silbergroschen Werte übernahmen. 

2. Wappenausgabe in Kreuzerwährung die 5 Wertstufen in ungebrauchter Erhaltung (digital verbessert zur Darstellung, nicht zum direkten Vergleich geeignet.)
Die Mi.-Nr. 22–26 sind somit nicht einfach nur eine weitere Wappenausgabe, sondern ein wichtiges Zeugnis des postalischen Übergangs von Thurn und Taxis zu Preußen.

Die preußischen Freimarken zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig ein scheinbar kleines Sammelgebiet sein kann. Die 26 Hauptnummern führen vom königlichen Kopfbild Friedrich Wilhelms IV. über die Wappenausgaben mit dem preußischen Adler bis hin zu den Innendienstmarken und den Kreuzerwerten für die ehemals von Thurn und Taxis übernommenen Postgebiete. Wer sich intensiver mit Preußen beschäftigt entdeckt schnell, dass dieses Gebiet weit mehr bietet als eine reine Ansammlung von Nummern nach Michel. Es ist überschaubar, bietet einen guten Einstieg und zugleich ein umfangreiches Betätigungsfeld für den fortgeschritten Sammler.