Sammelgebiet

Die Innendienstmarken Preußens – MiNr. 20-21

Die preußischen Innendienstmarken nehmen innerhalb des Sammelgebietes Preußen eine besondere Stellung ein. Während die übrigen Freimarken für den allgemeinen Postverkehr bestimmt waren, wurden die beiden Marken zu 10 Silbergroschen und 30 Silbergroschen ausschließlich für den internen Gebrauch der Postverwaltung ausgegeben. Sie durften nicht an Postkunden verkauft werden und unterscheiden sich damit deutlich von den regulären Freimarken Preußens.  

Im Michel-Katalog werden die beiden Werte als MiNr. 20 und 21 geführt. Sie gehören damit zu den 26 Hauptnummern des Sammelgebietes Preußen, bilden jedoch innerhalb dieser Hauptnummern ein eigenes, kleines Spezialgebiet.

10 und 30 Silbergroschen Innendienstmarken in ungebrauchter Erhaltung
Ausgabe und Zweck

Die Innendienstmarken erschienen am 16. Dezember 1866. Ausgegeben wurden zwei hohe Wertstufen: 10 Silbergroschen und 30 Silbergroschen. Diese Werte waren nicht für gewöhnliche Briefe des Publikums vorgesehen, sondern dienten der internen postalischen Abrechnung und Verwendung innerhalb der Postverwaltung.  

Gerade dieser besondere Verwendungszweck macht die Innendienstmarken für Sammler so interessant. Sie stehen nicht für den normalen Schalterverkehr, sondern geben einen Einblick in die Verwaltungs- und Kontrollabläufe der preußischen Post. Damit ergänzen sie die Kopf- und Wappenausgaben um einen Bereich, der stärker mit dem inneren Betrieb des Postwesens verbunden ist.

Herstellung im Löwenberg-Verfahren

Besonders bemerkenswert ist die Herstellung der beiden Innendienstmarken. Sie wurden im Buchdruck in der Königlich Preußischen Staatsdruckerei hergestellt. Die Markenbogen bestanden aus 10 × 10 Marken, also 100 Marken je Bogen, und wurden mit Durchstich 10 versehen.  

Zum Schutz vor Nachahmungen und unzulässiger Wiederverwendung wurde das sogenannte Löwenberg-Verfahren angewendet. Dabei wurde durchscheinendes Papier auf einer Seite mit einer Dammaharz-Lösung bestrichen. Auf dieser späteren Rückseite erfolgte der Markendruck seitenverkehrt, sodass das Markenbild durch das Papier hindurch auf der Vorderseite seitenrichtig sichtbar wurde. Nach dem Trocknen wurde die bedruckte Rückseite gummiert.  

Diese Herstellungsweise macht die Innendienstmarken technisch besonders auffällig. Das Markenbild liegt gewissermaßen unter beziehungsweise hinter dem Papier und der Gummierung. Dadurch unterscheiden sich die MiNr. 20–21 deutlich von den übrigen preußischen Freimarken.

Empfindlichkeit und Erhaltung

Die besondere Herstellung hatte auch Folgen für die Erhaltung. Das verwendete Papier war sehr empfindlich; nach dem Druck mussten zwischen die Markenbogen dünne Schutzblätter gelegt werden. Auch spätere Behandlung, Lagerung oder unsachgemäßes Ablösen können bei diesen Marken schnell zu Beschädigungen führen.  

Für Sammler ist deshalb wichtig: Die Innendienstmarken sollten besonders vorsichtig behandelt werden. Stücke auf Unterlage, Briefstück oder mit erhaltener ursprünglicher Struktur verdienen besondere Aufmerksamkeit. In allgemeinen Sammlerhinweisen wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ein Ablösen dieser Marken vom Papier fast immer zur Beschädigung oder Zerstörung führen kann.  

Gerade bei den Innendienstmarken spielen daher Erhaltung, Papierzustand, Gummierung, Durchstich und Prüfung eine wichtige Rolle. Saubere, einwandfreie Stücke sind deutlich attraktiver als Marken mit dünnen Stellen, Papierverletzungen oder unsachgemäßer Behandlung.

Die MiNr. 20 zu 10 Silbergroschen

Die MiNr. 20 ist die Innendienstmarke zu 10 Silbergroschen. Sie wird in der Grundfarbe dunkelrosa beschrieben.  

Durch ihre hohe Wertstufe unterscheidet sie sich bereits deutlich von den meisten regulären Freimarken Preußens. Ihre Bedeutung liegt weniger in einer alltäglichen postalischen Verwendung durch das Publikum, sondern in ihrer Funktion innerhalb des Postbetriebes. Gerade dadurch ist sie ein interessanter Beleg für die organisatorische Seite der preußischen Post.

10 Silbergroschen Innendienstmarke in ungebrauchter Erhaltung
Die MiNr. 21 zu 30 Silbergroschen

Die MiNr. 21 ist die Innendienstmarke zu 30 Silbergroschen. Als Grundfarbe wird dunkelgrünlichblau genannt.  

Der Wert von 30 Silbergroschen entsprach einem Taler und stellte damit eine besonders hohe Nominale innerhalb der preußischen Markenausgaben dar. Gerade dieser hohe Wert erklärt, warum Schutzmaßnahmen gegen Nachahmung und Wiederverwendung bei dieser Ausgabe eine besondere Rolle spielten.

30 Silbergroschen Innendienstmarke in ungebrauchter Erhaltung
Verwendungszeit und Einordnung

Die Innendienstmarken erschienen kurz vor dem Ende der eigenständigen preußischen Markenausgaben. Mit dem Übergang zum Norddeutschen Postbezirk verloren die meisten preußischen Freimarken ihre Gültigkeit. Eine Besonderheit bilden jedoch die beiden Innendienstmarken: In einer allgemeinen Preußen-Übersicht wird angegeben, dass sie noch bis zum 28. Februar 1869 verwendet wurden.  

Damit stehen die MiNr. 20–21 an einer spannenden Schnittstelle: Sie gehören einerseits noch zum klassischen Sammelgebiet Preußen, reichen andererseits aber in die Übergangszeit nach dem Ende der preußischen Freimarkenperiode hinein.

Bedeutung für das Sammelgebiet Preußen

Die beiden Innendienstmarken zeigen, dass das Sammelgebiet Preußen nicht nur aus den bekannten Kopf- und Wappenausgaben besteht. Sie öffnen den Blick auf einen besonderen Bereich des Postwesens: den inneren Dienstgebrauch der Verwaltung.

Für Sammler sind die MiNr. 20–21 vor allem wegen ihrer besonderen Zweckbestimmung, ihrer hohen Wertstufen und ihrer außergewöhnlichen Herstellung interessant. Das Löwenberg-Verfahren, das empfindliche Papier, der Durchstich und die eingeschränkte Verwendung machen sie zu einem kleinen, aber sehr eigenständigen Abschnitt der Preußen-Philatelie.

Gerade weil es nur zwei Hauptnummern sind, wirken die Innendienstmarken auf den ersten Blick überschaubar. Bei genauerer Beschäftigung zeigt sich jedoch schnell, dass sie ein anspruchsvolles Spezialgebiet darstellen, bei dem fachkundige Beurteilung und sorgfältige Erhaltung besonders wichtig sind.

Abbildung

Michel-Nr.

Ausgabe

Jahr

Wertstufe

Farbe / Grundfarbe

10 Silbergroschen Innendienstmarke in ungebrauchter Erhaltung

20

Innendienstmarke

1866

10 Silbergroschen

dunkelrosa

30 Silbergroschen Innendienstmarke in ungebrauchter Erhaltung

21

Innendienstmarke

1866

30 Silbergroschen

dunkelgrünlichblau