Die preußischen Telegrafenmarken bilden ein kleines, aber ausgesprochen interessantes Spezialgebiet innerhalb der Preußen-Philatelie. Anders als die Freimarken dienten sie nicht dem gewöhnlichen Briefpostverkehr, sondern standen im Zusammenhang mit der Aufgabe und Abrechnung von Telegrammen.
Insgesamt wurden sechs Wertstufen ausgegeben. Das Markenbild zeigt eine Wertziffer im Doppelkreis und unterscheidet sich damit deutlich von den Kopf- und Wappenausgaben Preußens. Die Ausgabe erschien ab 15. Juni 1864; für die preußischen Telegrafenmarken wird als Zeitraum 1864 bis 1867 genannt. Hergestellt wurden sie im Buchdruck in der Königlich Preußischen Staatsdruckerei in Bogen zu 10 × 10 Marken mit Liniendurchstich.
Die Telegrafenmarken waren für die Verrechnung von Telegrammgebühren vorgesehen. Ihre Abgabe und Verwendung war nach den bekannten Angaben auf Berlin beschränkt, insbesondere auf die Telegraphenstation im Börsengebäude sowie die Telegraphen-Zentralstation. Die Marken sollten vom Absender eines Telegramms auf der rechten Seite der Original-Depesche beziehungsweise des Aufgabeformulars aufgeklebt werden.
Damit unterscheiden sich die Telegrafenmarken grundlegend von den gewöhnlichen Freimarken. Sie wurden nicht auf Briefen, Drucksachen oder sonstigen Postsendungen verwendet, sondern waren an den besonderen Ablauf des Telegrafendienstes gebunden. Gerade dieser spezielle Verwendungszweck macht sie heute zu einem eigenständigen und reizvollen Bereich der klassischen Preußen-Philatelie.
Die preußischen Telegrafenmarken umfassen sechs Werte von 2½ Silbergroschen bis 15 Silbergroschen. Sie bilden damit eine kleine, klar abgegrenzte Ausgabe innerhalb des Sammelgebietes Preußen.
Die Marken sind im Grundton graubraun gehalten; einzelne Stücke können je nach Druck, Papier, Lagerung und Alterung etwas unterschiedlich wirken. Gerade bei klassischen Marken sollte die Farbe daher nicht allein nach einem Scan oder Foto beurteilt werden.
Keine bekannten gebrauchten TelegrammformulareEin zentraler Punkt bei der Beschäftigung mit den preußischen Telegrafenmarken ist die Frage nach ihrer tatsächlichen Verwendung. Nach heutigem Kenntnisstand sind keine gebrauchten Formulare mit aufgeklebten Telegrafenmarken bekannt. Dieser Hinweis gilt ausdrücklich sowohl für die preußische Zeit als auch für die Zeit des Norddeutschen Postbezirks.
Das ist für die philatelistische Einordnung besonders wichtig. Die Marken waren zwar für die Verwendung auf Original-Depeschen beziehungsweise Aufgabeformularen vorgesehen, erhaltene gebrauchte Formulare als direkter Verwendungsnachweis sind jedoch bislang nicht bekannt geworden. Dadurch liegt der Schwerpunkt dieses Gebietes vor allem auf den Marken selbst: ihren Wertstufen, Erhaltungen, Durchstichen und der sicheren philatelistischen Einordnung.
Erhaltung und Einordnung
Die Telegrafenmarken sind deutlich seltener anzutreffen als die regulären preußischen Freimarken. Viele erhaltene Stücke sind ungebraucht überliefert, teils mit oder ohne Gummi, mit Falzspuren oder anderen alters- und lagerungsbedingten Erhaltungsmerkmalen.
Da bislang keine gebrauchten Telegrammformulare mit aufgeklebten Telegrafenmarken bekannt sind, liegt der Schwerpunkt dieses Spezialgebietes vor allem auf den Marken selbst: den sechs Wertstufen, dem Druckbild, dem Liniendurchstich, der Papier- und Erhaltungsqualität sowie der sicheren philatelistischen Einordnung.
Bei angeblich gebrauchten Stücken oder vermeintlichen Verwendungsnachweisen ist besondere Vorsicht angebracht. Einzelne entwertete oder markierte Marken ersetzen keinen nachgewiesenen vollständigen Telegrammbeleg.
Ein kleines Spezialgebiet mit besonderem ReizDie preußischen Telegrafenmarken zeigen, dass das Sammelgebiet Preußen weit über die klassischen Freimarken hinausreicht. Sie stehen für einen besonderen Verwaltungs- und Kommunikationsbereich des 19. Jahrhunderts und dokumentieren den Versuch, Gebühren des Telegrafendienstes durch eigene Markenwerte zu verrechnen.
Mit nur sechs Wertstufen ist das Gebiet auf den ersten Blick überschaubar. Gleichzeitig macht gerade die Seltenheit, die spezielle Zweckbestimmung und das Fehlen bekannter gebrauchter Telegrammformulare die Beschäftigung mit diesen Marken besonders spannend. Für Sammler, die sich intensiver mit Preußen beschäftigen, bilden die Telegrafenmarken daher ein kleines, aber sehr eigenständiges Spezialgebiet.
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Abbildung |
Michel-Nr. |
Ausgabe |
Jahr |
Wertstufe |
Farbe / Grundfarbe |
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T 1 |
Telegrafenmarke |
1864 |
2½ Silbergroschen |
graubraun |
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T 2 |
Telegrafenmarke |
1864 |
5 Silbergroschen |
graubraun |
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T 3 |
Telegrafenmarke |
1864 |
8 Silbergroschen |
graubraun |
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T 4 |
Telegrafenmarke |
1864 |
10 Silbergroschen |
graubraun |
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T 5 |
Telegrafenmarke |
1864 |
12 Silbergroschen |
graubraun |
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T 6 |
Telegrafenmarke |
1864 |
15 Silbergroschen |
graubraun |